La Baita (Val di Rezzalo) - Pezzo

5. Tag

 

28 km/ 1001 HM

 

Film 5. Tag anklicken

             

 

„The day after“ – ja, der aufmerksame Leser unseres Transalps-Tagebuchs hat es sicherlich schon gemerkt: am 4.Tag überschritten wir neben der zeitlichen Halbzeit (logisch) nicht nur den Höhenmetergipfel sondern auch den Gesamtkilometerzenit.

 

Wer aber jetzt dachte, es geht nur noch bergab, täuschte sich!

 

Zugegeben - als Belohnung für den letzten Tag hat unser Schinder-Manni die 5. Etappe wirklich locker geplant. Trotzdem, so richtig Lust, den harten Sattel gegen den gemütlichen Liegestuhl zu tauschen, hatte wohl niemand.

 

Also, erstmal Freude und Motivation beim liebevoll zubereiteten Frühstück tanken, noch einmal den traumhaften Sonnenaufgang im Hochtal von Baita genießen, versuchen Ausreden zu finden, warum es einem unmöglich ist wieder aufs Rad zu steigen und diese dann unausgesprochen wieder zu verwerfen.

 

Los ging es mit einem landschaftlich extrem reizvollen Serpentinen-Anstieg, der später in Trials überging und uns bis hinauf zum Passo dell´Alpe führte. Einmal mehr konnte  hier unser „Epo“-Wunder Matthias – der bereits am 3.Tag  zum „König für herausragende Leistungen am Berg“ gekürt wurde - seine Fähigkeiten in der mentalen Erniedrigung von Mitradlern beweisen.

 

Nach dem obligatorischen Gipfelbild mit kurzer Rast folgte eine leider viel zu kurze, aber gut fahrbare Downhill-Passage, die jäh mit dem Erreichen der Straße zum Gavia-Pass endete. Hier trafen wir wieder auf komische Menschen, die mit Fahrrädern mit viel zu dünnen Reifen auf asphaltierten Wegen den Berg hinauf fuhren – unverschämterweise schneller als wir. Und dann war da noch die überbreite Baumaschine, die das Gleiche machte. Harley`s klingen anders und kommen schneller näher! ;-)

Straßenpassagen waren echt nicht unser Ding.

 

„Chillen“ umschreibt dann die Stimmung nach Erreichen des Gavia-Passes wohl am Besten: die einen stärkten sich mit Pasta, die anderen genossen den Espresso und alle flätzten irgendwie in der Sonne.

Der richtige Drive zum Weiterfahren kam nur sehr schwer auf. Und das, obwohl das Tagespensum schon fast geschafft war und es eigentlich nur noch 1000HM bergab ging.

 

Jedoch sollte auch geschmeidiges Serpentinen-Wedeln nicht unterschätzt werden. An dieser Stelle kann ich jedem ans Herz legen, das Road-Book der Albrecht-Route VOR jeder Etappe zu studieren – erst lesen, dann fahren.

Das wäre auch vorteilhaft für uns gewesen, aber so stürzten wir uns völlig unbeschwert in die Einfahrt des Tunnels, um am Ende eine Art der Wiedergeburt zu erleben (später stellte sich heraus, dass man den Tunnel  hätte umfahren sollen). Es wurde schlagartig so dunkel, dass man den Lenker nicht mehr an den Händen gesehen hat  - geschweige denn die Strasse oder die Tunnelwände.  Was waren wir froh, als uns nach gefühlter Ewigkeit die Sonne am Ende der Röhre wieder die Orientierung zurückgab.

 

Die anspruchsvolle Aufgabe der restlichen Kilometer bestand darin, im Geschwindigkeitsrausch nicht die Abzweigung nach Pezzo zu verpassen – geglückt. Nach einem kurzen letzten Antritt sind wir um ca. 14 Uhr in Yuri`s knuffigem, urgemütlichem Bike-Hotel eingetrudelt.

 

Auch hier wieder ein absolut herzlicher Empfang, sehr zuvorkommender Service für Biker und liebevoll gestaltete Unterkünfte.

Den Rest des Nachmittags genossen wir auf der Sonnenterasse, bis sich das erste Mal auf unserer Reise ein heftiger Platzregen zusammenbraute.

 

Wir wissen bis heute nicht, woher Yuri die Unmenge an Regenschirmen organisiert hat (nicht nur für uns, sondern auch für die anderen Biker). Aber so konnten wir trockenen Kopfes zur örtlichen Pizzeria gelangen, wo man Yuri`s Gäste ganz exklusiv mit lecker Antipasti und Pizza verwöhnte – vom Vino Rosso ganz zu schweigen.

 

© Jens



Besucherzähler

Aktuelles